Fotografie

Meine Fotografien entstehen durch aufmerksames Beobachten und Entdecken von Form, Raum, Struktur und Zusammenhängen von Natur und Landschaft.
Dabei interessieren mich kleine, oft zunächst unscheinbar anmutende Details, die sich im Fokus der Kamera entfalten und geheimnisvolle Welten preisgeben.
Das Element Wasser, welches als Spiegelelement die unterschiedlichsten Auswirkungen in Nachbildung und Verzerrung des Raums bis hin zur Entmaterialisierung der Formen zeigt, begleite ich seit einigen Jahren durch die Jahreszeiten und entdecke fotografisch die Vielseitigkeit und Wandelbarkeit je nach Lichteinfall, Temperatur etc.

 

 

 Eröffnende Worte zur Ausstellung WASSERZEICHEN von Veronika Klaus, gehalten von Carolin Berendts am 29.4.2009 im Bosco in Gauting 

Liebe Leser, dieses Rede wurde frei gehalten und ist deshalb in gedruckter Form manchmal ein wenig redundant oder stichpunktartig…. Sei‘s drum. 

Begrüßung

Ausstellung trägt den Titel WASSERZEICHEN, erste Einzelausstellung von Veronika Klaus, Gautingerin, Stationen in Mainz, Münster, Berlin, Kiel. Ausgebildete Bühnenplastikerin, freischaffende Künstlerin.

Was zeigen die Bilder? Wasser? Natur? Optische Phänomene?

Sie zeigen Wasserzeichen – Augenblicke, die aus einem Zusammenspiel von Wasser und Licht entstehen. Der Wasserspiegel, der allen Bildern zu Grunde liegt, reflektiert die Eigenheiten der umgebenden Natur, der Bäume, des Himmels, der Pflanzen. Das Lebenselement Wasser spiegelt in einem Moment, im nächsten gibt es Blicke auf den Grund frei oder wird durch das einfallende Licht gefärbt. Wir sehen also Natur, Ihre Abbildung in sich selbst, ihre Verwandlung im Fließen.

So wäre es also eine Fotoausstellung über das Element Wasser, und an dieser Stelle könnte ich wunderbar über das Fließen und das Stehen, die Ruhe und die Verwandlung sprechen und darüber, wie alles fließt, die Bilder, das Licht, die Zeit. Und all dies können wir in den Bildern lesen. Doch Sie alle kombinieren aus Gegenständlichem und Abbildung ein Drittes, das für Momente die Türe zu einer anderen Realität öffnet, das unser Auge aus einer Naturbetrachtung in eine Bildbetrachtung zieht.

Denn es geht nicht nur um Wasser, es geht auch um die Zeichen, die, kaum eingefangen, vor dem Auge der Kamera wieder verfließen.

Das Zeichen kommt aus dem Indogermanischen dei von „hell glänzen“, „schimmern“, „scheinen“, und wird im Althochdeutschen zeihhan „Wunder“, „Wunderzeichen“. Dem deutschen Wort liegt ursprünglich die irdische Erscheinung einer höheren Macht zugrunde.

Heute ist ein Zeichen im weitesten Sinn alles, was nicht nur für sich, sondern noch für etwas anderes steht, das heißt es weist über sich selbst hinaus.

Die Bilder, die wir hier sehen, verlängern einen kurzen Augenblick, und geben uns damit die Möglichkeit – und fordern uns heraus – uns ihnen gegenüber zu verorten.

Dies fällt nicht immer leicht. Was auf den ersten Blick klar erscheint, ist es beim zweiten nicht mehr. Was ist Spiegelung, was Untergrund? Was ein optisches Phänomen, was real existierender Gegenstand? Und zu guter Letzt: was ist das überhaupt? Details nehmen mehr und mehr Raum ein, Struktur und Farbe stehen nicht mehr im Dienste der Abbildung der Umgebung, sondern für sich selbst.

Die Wasseroberfläche gibt nicht nur die Möglichkeit, eine Spiegelung einzufangen. Sie verzerrt, moduliert, färbt und formt. Sie dreht Dinge um, Bilder auf den Kopf, und verwandelt auf den ersten Blick die helle Sonne in einen Vollmond….

Diese Wasserzeichen zeigen uns ein anderes, das dennoch real ist, eine andere Sichtweise, die auch wir vor den Bildern einnehmen müssen.

Die Bilder weisen über einen eingeengten Blickwinkel hinaus, indem sie uns ein neues, manchmal Surreales zeigen, das neben uns in der nächsten Regenpfütze warten kann.

Immer wieder musste ich bei der Vorbereitung an Platons Höhle denken, an die Objekte, die am Feuerschein, dem Licht, vorbei getragen werden, und deren Schatten die Höhlenmenschen für die

Wirklichkeit halten. Welch Konfusion, wenn der Kopf sich drehen kann und mehr als einen Blickwinkel erhaschen kann. Und welche Vielfalt der Möglichkeiten-

Wie ist es mit uns? Sehen wir die Dinge selbst? Oder nur ihren Schein? Lassen wir uns manchmal durch allzu helles Licht blenden und sehen schwarz, wo weiß ist? Oder lassen wir uns von den Augenblicken einnehmen, in denen das Licht den Dingen und den Menschen schmeichelt und sie in einem sprichwörtlich „neuen Licht“ erscheinen lässt?

Du hast mir erzählt, dass du manchmal ein wenig befremdlich von Spaziergängern angesehen wurdest, wie du so über der noch so kleinen Pfütze turntest, um einen möglichst gutes Bild machen zu können.

Ich lade Sie ein, meine Damen und Herren, genau hinzusehen, sich verzaubern zu lassen und zu hinterfragen, sich zu verorten und die Bilder, Standpunkte einzunehmen und vielleicht auch wieder zu verändern.

Diese Bilder kommen aus einem Zwischenraum und laden Sie dorthin ein. Ich wünsche Ihnen einen anregenden Ausstellungsbesuch.